ZINSEN: KEINE RENDITE, TROTZDEM NACHFRAGE

25.02.2016

Die Zinsen rutschen – und das auch noch schnell. Die Rendite, sprich Verzinsung, die man für Bundesanleihen mit zehn Jahren Laufzeit aktuell erhalten würde, ist auf 0,13 Prozent gefallen und damit nahe am bisherigen Rekordtief von 0,07 Prozent, das im April 2015 erreicht wurde. Und trotzdem bleibt die Nachfrage hoch. Denn die Zinsen würden ja nicht fallen, würden die Kurse dieser Anleihen nicht dauernd steigen. Nur wieso? Wieso akzeptieren die Anleger derartige Mini-Zinsen?

Hier spielen zwei Elemente zusammen: Auf der einen Seite gibt es da große Spekulanten, die nicht auf die Rendite des Zinses achten, sondern auf Kursgewinne spekulieren. Wie das?

SPEKULATION UND DIE SUCHE NACH DEM SICHEREN HAFEN

Sie erwarten, dass die EZB nach all den dezenten Andeutungen der letzten Wochen in ihrer nächsten Sitzung heute in zwei Wochen (10.3.) weitere Maßnahmen, womöglich die Ausweitung des Volumens der Stützungskäufe am Anleihemarkt, beschließen wird. Maßnahmen mit dem Ziel, die Zinsen noch weiter zu drücken, um den Konsum anzukurbeln … und das hieße, man könnte auch jetzt noch Kursgewinne bei Anleihen erzielen, denn die müssten im Kurs weiter steigen, um eine solche Absenkung des Zinsniveaus widerzuspiegeln. Risiko dabei: Darauf setzen so viele, dass es fraglich ist, ob es dann wirklich zu den erhofften Käufen anderer Marktteilnehmer käme.

Das andere Element ist der Exodus von Anlegern aus dem Aktienmarkt. Sie haben sich dort nun eine blutige Nase geholt und wollen ihr Geld nun weniger risikoreich „parken“. Und da sind Anleihen, neben Gold ja traditionell als „sicherer Hafen“ angesehen, die typische Ausweichmöglichkeit. Und wenn man auf dem Konto oder bei Festgeld auch keinen Zins mehr bekommt, sind Bundesanleihen mit ihrem Status der hohen Sicherheit eine durchaus nachvollziehbare Ausweichlösung. Aber:

Der Chart zeigt auch, dass die Renditen im vergangenen Frühjahr trotz der EZB-Maßnahmen plötzlich wieder deutlich gestiegen sind. Und ein Anstieg wie damals bedeutet herbe Kursverluste für diejenigen, die dort auf Kursgewinne spekuliert haben. Man sollte sich somit nicht täuschen: wenn man die Anleihen nicht bis zum Ende der Laufzeit liegen lässt, sondern mit ihnen „traden“ will, sind auch sie ein heißes Eisen!

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